Glossar

Die Themen der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH sind technisch und naturwissenschaftlich teils sehr komplex; dementsprechend gilt dies auch für viele der hier aufgeführten Begriffe. Für die bessere Verständlichkeit auch für Nicht-Fachleute haben wir dieses Glossar in möglichst gut verständlicher und knapper Sprache verfasst. Daher hat dieses Glossar keinen Anspruch auf fachliche Exaktheit bzw. Vollständigkeit. Sollten Sie dennoch Vorschläge dafür haben, was man an diesem Glossar besser machen kann, freuen wir uns sehr über eine Nachricht von Ihnen!

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1-2-3-Maßnahmen

Bei einem kleinen Teil der Abfallbehälter im Logistikzentrum Konrad kann es erforderlich sein, diese vor dem Abtransport ins Endlager Konrad noch einmal einer technischen Kontrolle zu unterziehen. Dabei werden gegebenenfalls Druck und Flüssigkeiten abgelassen und das Dichtsystem überprüft. Diese 1-2-3-Maßnahmen genannten Überprüfungen finden in speziellen, mit Unterdruck betriebenen Räumen statt – den sogenannten Caissons. Die notwendigen Techniken für die 1-2-3-Maßnahmen sind vielfach erprobt und vorhanden.

A

Abfallgebinde

Kombination aus radioaktiven Abfällen und einem Behälter, in dem radioaktive Abfälle transportiert, zwischengelagert und endgelagert werden können.

Atom

Atome sind die Bausteine, aus denen alle festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffe bestehen.

Atomgesetz / Atomrecht

Gesetz über die friedliche Verwendung der Kernenergie und den Schutz gegen ihre Gefahren.

Atomkern

Der Atomkern ist der positiv geladene innere Teil eines Atoms.

Atomkraftwerk

Ein Atomkraftwerk (AKW), auch Kernkraftwerk (KKW), ist ein Wärmekraftwerk zur Gewinnung elektrischer Energie aus Kernenergie durch kontrollierte Kernspaltung (Fission).

B

BASE

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE)
ist die Regulierungs- und Aufsichtsbehörde des Bundes in der Endlagerung sowie Genehmigungsbehörde für den Umgang und Transport von Kernbrennstoffen. Das BASE unterstützt und berät zudem das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in Fragen der nuklearen Entsorgung und der kerntechnischen Sicherheit. Bis 2020 hieß dieses Amt Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE).

BfE

Siehe Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE).

BfS

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist eine organisatorisch selbstständige wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Das BfS bündelt Kompetenzen im Bereich des Strahlenschutzes.

BGE

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ist vom Bund mit den Aufgaben im Bereich der Endlagerung radioaktiver Abfälle beauftragt. Das bundeseigene Unternehmen wurde für diesen Zweck im Juli 2016 gegründet. Das neue Unternehmen ist entstanden durch einen Zusammenschluss der Endlagerfachbereiche des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) sowie der Betriebsgesellschaften Asse-GmbH und Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe (DBE).

BGZ

Die BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH ist eine in privater Rechtsform organisierte Gesellschaft des Bundes mit Sitz in Essen. Sie gewährleistet den sicheren und zuverlässigen Betrieb der Zwischenlager Ahaus und Gorleben. Außerdem wurden zum 1. Januar 2019 die genehmigten dezentralen Zwischenlager an den Standorten der deutschen Kernkraftwerke an die BGZ übertragen. Seit Januar 2020 werden zudem weitere Lager mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen der deutschen Kernkraftwerke an die BGZ übertragen. Dadurch liegt die Verantwortung für die Zwischenlagerung der radioaktiven Abfälle der Energieversorgungsunternehmen (EVU) zukünftig zentral in der Hand der BGZ.

BMU

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) ist eine oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Das BMU ist alleiniger Gesellschafter der BGZ.

Brennelement

Brennelemente sind der Hauptbestandteil von Reaktorkernen; sie bilden das Herz eines jeden Atomkraftwerks. In den Brennelementen befindet sich der Brennstoff für das Kraftwerk, zum Beispiel Uran. Je nach Reaktortyp weisen Brennelemente unterschiedliche Bauweisen und Zusammensetzungen auf.

C

Caisson

Zusätzliche Einhausung (Umbauung), in der Arbeiten an den Abfallgebinden durchgeführt werden (siehe 1-2-3-Maßnahmen).

E

Endlager Konrad

Das Endlager Konrad befindet sich in Salzgitter in Niedersachsen. Es ist das erste nach Atomrecht genehmigte Endlager Deutschlands. Seit 2007 liegt die Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb des Endlagers vor. Das ehemalige Eisenerzbergwerk wird derzeit zu einem Endlager umgebaut. Anschließend sollen bis zu 303.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert werden.

EntsorgÜG

Gesetz zur Regelung des Übergangs der Finanzierungs- und Handlungspflichten für die Entsorgung radioaktiver Abfälle der Betreiber von Kernkraftwerken (Entsorgungsübergangsgesetz).
Volltext siehe:
https://www.gesetze-im-internet.de/entsorg_g/BJNR012000017.html

ESK

Die Entsorgungskommission des Bundes (ESK) ist ein 2008 gegründetes Expertengremium, das das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit in Fragen der nuklearen Entsorgung (z. B. Zwischenlagerung radioaktiver Stoffe und Abfälle, Rückbau kerntechnischer Einrichtungen, Endlagerung in tiefen geologischen Formationen) berät.

Weitere Infos:
http://www.entsorgungskommission.de/

F

Fachgerechte Verpackung

Die radioaktiven Abfälle werden in geeignete Abfallbehälter verpackt. Je nach Abfallart sind dies zylindrische oder quaderförmige Verpackungen, die sich hinsichtlich ihrer Konstruktion, Größe, Wandstärke und Masse unterscheiden. Die spezifischen Anforderungen an die Behältertypen sind in den entsprechenden Lagerbedingungen, etwa den Endlagerbedingungen für das Endlager Konrad, festgelegt. Die Einhaltung der Anforderungen wird im Rahmen der Produktkontrolle überprüft und dokumentiert.

I

Ionisierende Strahlung

Ionisierende Strahlung kann technisch erzeugt werden (Röntgenstrahlung) oder entsteht, wenn bestimmte Atomkerne radioaktiv zerfallen (Alpha-, Beta-, Gamma- und Neutronenstrahlung). Wenn sich bestimmte Atomkerne ohne äußere Einwirkung von selbst in andere Kerne umwandeln und dabei energiereiche Strahlung (ionisierende Strahlung) aussenden, nennt man diese Eigenschaft Radioaktivität. Der Prozess der Kernumwandlung wird als radioaktiver Zerfall bezeichnet. Die radioaktiven Atomkerne nennt man Radionuklide.

O

Open-All-Container

Aufschiebbarer Transportcontainer für Abfallgebinde.

P

Planfeststellungsbeschluss

Der Planfeststellungsbeschluss ist ein Verwaltungsakt, mit dem die Zulässigkeit eines Vorhabens unter Einschluss aller sonst erforderlichen Genehmigungen, Erlaubnisse usw. festgestellt werden.

R

Radioaktiver Abfall (LAW/MAW und HAW)

Wenn für radioaktive Stoffe (nach der Definition des Atomgesetzes) keine weitere Verwendung mehr vorgesehen ist, gelten sie als radioaktive Abfälle. Radioaktive Abfälle entstehen bei der Nutzung ionisierender Strahlung in Kernkraftwerken, in der Forschung, der Industrie und in kleinen Mengen in der Medizin. Sie müssen entsprechend den Vorschriften des Atomgesetzes geordnet beseitigt – also endgelagert – werden.

Radioaktiver Abfall wird nach unterschiedlichen Kriterien unterteilt:
So unterscheidet man nach dem Grad der Radioaktivität zwischen schwach- und mittelradioaktiven (LAW/MAW) sowie hochradioaktiven Abfällen (HAW).

Schwach- und mittelradioaktive Abfälle machen rund 90 Prozent des Volumens radioaktiver Abfälle aus und stammen aus dem Betrieb und der Stilllegung von Kernkraftwerken, aus der Forschung und Industrie sowie aus der Medizin. Es handelt sich beispielsweise um kontaminierte Anlagenteile, Werkzeuge oder Laborgeräte, Schutzkleidung aus Kernkraftwerken, verbrauchte Filter, Strahlenquellen aus der Medizin und anderen technischen Anwendungen oder radioaktive Chemikalien.

Hochradioaktive Abfallstoffe werden auch kurz HAW-Abfälle genannt und sind gekennzeichnet durch eine hohe Abgabe von Strahlung und eine hohe Produktion von Wärme. Zu den hochradioaktiven Abfallstoffen zählen vor allem abgebrannte Brennelemente und Behälter mit in Glas eingeschmolzenen konzentrierten Reststoffen aus der Wiederaufarbeitung, sogenannte Glaskokillen. Hochradioaktive Abfallstoffe müssen in abgeschirmten Spezialbehältern transportiert oder zwischengelagert werden.

Radioaktivität

Eigenschaft bestimmter Atomkerne (Radionuklide), sich ohne äußere Einwirkung in andere Atomkerne umzuwandeln und dabei ionisierende Strahlung auszusenden. Messgröße ist die Aktivität, d.h. die Anzahl der pro Zeiteinheit auftretenden Kernumwandlungen eines Radionuklids oder Radionuklidgemisches. Die Einheit ist das Becquerel (Bq), das einer Kernumwandlung pro Sekunde entspricht. Es gibt sowohl in der Natur vorkommende natürliche Radionuklide als auch durch kernphysikalische Prozesse erzeugte künstliche Radionuklide. Kennzeichnend für jedes Radionuklid ist seine Halbwertszeit.

Rückbau

Nach der Stilllegung eines Atomkraftwerks erfolgt der Rückbau; dieser endet mit dem Abriss der Gebäude.

S

Standortauswahlverfahren

Bis zum Jahr 2031 soll innerhalb Deutschlands der Standort für ein Endlager für hochradioaktiven Abfall gefunden werden. Das Standortauswahlverfahren startet von einer "weißen Landkarte". Das bedeutet, dass alle deutschen Bundesländer in die Suche einbezogen werden.

Strahlenschutz

Der Strahlenschutz hat das Ziel, Strahlenwirkungen zuverlässig zu verhindern.

StrlSchG

Das Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) der Bundesrepublik Deutschland setzt die Richtlinie 2013/59/Euratom in nationales Recht um. Es trifft Regelungen zum Schutz des Menschen und – soweit es um den langfristigen Schutz der menschlichen Gesundheit geht, der Umwelt vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung.

StrlSchV

Die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) ist eine Rechtsverordnung im Rahmen des deutschen Atom- und Strahlenschutzrechts. Sachlich betrifft die Verordnung den Schutz vor ionisierenden Strahlen und damit den Umgang mit radioaktiven Stoffen.

T

Trockenlager

Alle Zwischenlager der BGZ sind als Trockenlager konzipiert, in die mit bestrahlten Brennelementen oder verglasten hochradioaktiven Abfällen beladene Transport- und Lagerbehälter eingelagert werden. Es sind verschiedene Ausführungsvarianten der Zwischenlager genehmigt. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in der Anordnung der Lagerbereiche und in der Gebäudewandstärke.

U

UVP

Die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist ein Instrument der Umweltvorsorge mit dem Ziel, umweltrelevante Vorhaben vor ihrer Zulassung durch eine Behörde auf mögliche Umweltauswirkungen hin zu überprüfen. In der Regel ist sie beschränkt auf die Überprüfung der Auswirkungen auf die umweltbezogenen Schutzgüter.

W

WKP

Wiederkehrende Prüfungen (WKP) sind Inspektionen, die aufgrund von Rechtsvorschriften, Auflagen der zuständigen Behörden oder anderweitigen Festlegungen in festgelegten Zeitabständen durchgeführt werden.

Würgassen

Würgassen ist ein Stadtteil der nordrhein-westfälischen Gemeinde Beverungen im Grenzgebiet zu den Ländern Hessen und Niedersachsen. In Würgassen wurde von 1971 bis 1994 ein Atomkraftwerk betrieben, das sich nach seiner Stilllegung im Rückbau befindet.

Z

Zwischenlager

Zwischenlager dienen der vorübergehenden Lagerung radioaktiver Abfälle. Dort werden radioaktive Abfallstoffe in speziellen Behältern aufbewahrt. Es gibt Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle und Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle.